Traust Du Dich noch alleine auf die Straße, nachdem Du weißt was dort alles passiert ist?
Ich habe keine Angst. Wenn es mir manchmal dennoch mulmig wird, liegt es an den Geschichten selbst, die ich als bedrückend wahrnehme. Meine Heimatstadt empfinde ich allerdings als sicher.
Warum hast Du begonnen diese Geschichten zu veröffentlichen?
Ich habe selbst zwei Geschwister verloren, die lange vor der eigentlichen Zeit von uns gegangen sind. Was solche Verluste mit einer Familie machen, habe ich am eigenen Leib erfahren. Unser Leben war nie mehr wie zuvor. Für alle anderen, die zunächst noch mit uns geweint und getrauert haben, ging der Alltag irgendwann wieder seinen gewohnten Weg. Die Opfer wurden langsam vergessen. Nur ein Beispiel: Noch immer geht dem Namen Pommerenke ein Gänsefaktor einher. Man erinnert sich an den Mörder, der bis zu seinem Lebensende hinter Gittern blieb. Doch wer weiß, wer die Frauen waren, die er auf schreckliche Weise getötet hat?
Wie findest Du die Geschichten?
Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt leider keine Verzeichnisse und keine Möglichkeit auf Polizei- oder Gerichtsakten zuzugreifen. Erst nach vielen Jahren verstreichen gesetzliche Fristen. Danach können die Akten an die verschiedenen Archive abgegeben werden. Um sie dort zu finden, braucht es Anhaltspunkte, Namen, Daten etc. Sprich ich brauche zunächst Anhaltspunkte. Die ergeben sich manchmal zufällig, etwa wenn ich in Zeitungsarchiven stöbere und es zu Zufallsfunden kommt. Ergiebiger sind indessen Gespräche mit den verschiedensten Menschen. Beim ersten Buch habe ich sehr nachgefragt, ob es Morde im Umfeld gegeben hat, später kam es zu Anfragen, ob ich von diesem oder jenem Fall gehört habe. So wurde mir etwa ein Teil einer Stasi-Akte zugespielt. Sie war hilfreich, um die betroffenen Personen ausfindig zu machen. Aber ich wurde auch schon gezielt um Hilfe gebeten, weil sich Menschen an Geschehnisse aus ihrer Kindheit nur vage erinnern und im Erwachsenenalter beginnen zu hinterfragen…
Hast Du auch andere Bücher geschrieben?
Ja, mehrere. Aber diese Reihe hat mich natürlich am meisten bewegt. Jedes Mal, wenn ich fertig bin und ein Buch in Druck geht, tut sich die nächste Tür auf. Und dann mache ich weiter.